Nachdem in Linz bislang noch kein Gehörlosentheater existierte, entstand im Sommer 2003 die Idee, dieser wichtigen Theaterform einen Raum zu geben. Doris Schüchner und Anna Riesenberger suchten den Kontakt zur Gehörlosengemeinschaft in Linz, da Gehörlosentheater nur in engster Zusammenarbeit mit und in Verständnis um die Gehörlosenkultur angeboten werden kann. Die Projektidee stieß auf große Resonanz, sodass unmittelbar begonnen werden konnte, in gemeinsamer Teamarbeit Gehörloser und Hörender (Doris Schüchner, Anna Maria Riesenberger, Romana Krause, Erika Raspotnik) sowie mit Unterstützung des Landesverbandes der Gehörlosenvereine OÖ Ziele zu konkretisieren. Recherchearbeiten (Kontakt zum Gehörlosentheater in Salzburg und Berlin, Besuch des Gehörlosentheaterfestivals in Wien 2004,...) und Einarbeitung in die wesentlichsten Aspekte eines Gehörlosentheaters bildeten grundlegende Mosaiksteine in dieser Projektphase, die aus dem Risikokapital der Stadt Linz unterstützt wurden (Finanzierung der Recherchearbeiten von Doris Schüchner).

Eine entsprechende Rechtsform zu finden, war ebenfalls ein Anliegen: Im November 2003 wurde der Verein „Manus Deaf Theater“ ins Leben gerufen, der sich zum Ziel setzt, Gehörlosentheaterprojekte zu organisieren und umzusetzen. Erster Meilenstein im Projektverlauf war ein dreitägiger Theaterworkshop mit Doris Schüchner im Februar 2004. Ab April 2004 fanden regelmäßige Theatertreffen statt, deren Ziel das Erarbeiten von Grundlagen des Schauspiels war. Nach einer Sommerpause begannen im Herbst 2004 die Probenarbeiten für das Theaterprojekt „Hänsel und Gretel“ unter der Regie von Doris Schüchner. Im Mai 2005 fanden 3 Aufführungen in der Michael-Reitter-Landesschule, Kapuzinerstr.40, 4020 Linz statt, die sowohl von gehörlosem als auch hörendem Publikum mit großer Begeisterung gewürdigt wurden:

Der ORF beschreibt die Arbeit von Manus Deaf Theater als „außergewöhnliches, berührendes Theaterexperiment“ sowie als „verständliche niveauvolle Theaterkost“ (Oberösterreich heute, 20. Mai 2005). 2006 baute „Manus“ auf dem Erfolg auf, erweiterte das künstlerische Team und konnte mit „7 auf einen Streich“ 5 Vorstellungen füllen.